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Antje van Wichelen

Rautenstrauch-Joest-Museum

Die belgische Künstlerin Antje van Wichelen speist Fotografien aus kolonialen Bildarchiven in ihre filmischen Arbeiten und bringt sie in neue Narrative. Ihre Intervention wird sich auf die Fotosammlung des Rautenstrauch-Joest-Museums beziehen.

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    © Courtesy of the artist

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    © Antje van Wichelen, "Chapter 01, Strong Looks I", 2018, Still from 16mm film with marking tape, 2953 x 2893 pixels, provenance original image: Wereldculturen.nl TM-60027140

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    © Antje van Wichelen, "Chapter 01, Strong Looks II", 2018, Still from 16mm film with marking tape, 2953 x 2893 pixels, provenance original image: Wereldculturen.nl TM-60050059

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    © Antje van Wichelen, "Chapter 03, Numbers and Comments. Explaining the Others", 2018, Still from 16mm film, 2953 x 2893 pixels, provenance original image: Pitt Rivers Museum_1998_243_6_1

Die Künstlerin

 

Antje van Wichelen lebt und arbeitet in Brüssel. In ihren fotografischen und filmischen Werken verwendet sie Fotografien aus kolonialen Bildarchiven, welche sie einerseits nach neuen Kategorien ordnet und sie andererseits in neue Narrative bringt.

Die Künstlerin widmet sich dabei den Klischees und zugrunde liegenden Motiven von westlichen Fotosammlungen und hinterfragt in ihren Installationen, wie der ‚koloniale Blick’ thematisiert, reflektiert und gebrochen werden kann. In ihren Werken geht sie u.a. der Frage nach, wie sich im 19. Jahrhundert die Faszination und Begierde formierte, das ‚Andere’ zu messen, kategorisieren und definieren.

Anhand der von ihr eingesetzten Methodik des bewussten Wechsels vom Medium der Fotografie zu Film werden die ursprünglich erstarrten Motive der Archivfotografien zu bewegten und beinahe lebendigen Bildnissen, in welchen sich die abgebildeten Personen dem voyeuristischen Blick des Betrachters zu entziehen scheinen. Durch die schnelle Abfolge der aneinandergereihten Fotografien werden nicht nur die zugrundeliegenden Schemata und die Gleichförmigkeit der Aufnahmen, sondern insbesondere auch die Individualität der einzelnen Persönlichkeiten sichtbar.

Ich arbeite mit Archiven der Kolonialfotografie des 19. Jahrhunderts, anhand derer versucht wurde, Menschen zu kategorisieren.

 Diese Archive erzählen uns mehr über ihre Erschaffer als über die Personen ihrer Studien.

 Ein Archiv ist ein hilfreiches Werkzeug, um herauszufinden, woher wir kommen, wo wir heute stehen und um in die Zukunft zu blicken und sich zu fragen: Wo möchten wir in zehn, zwanzig Jahren stehen? In diesem Sinne muss das Archiv als Teil unseres kulturellen Gedächtnisses für eine permanente Bewertung und Auseinandersetzung offen sein und bleiben.

- Antje van Wichelen

Das Archiv

 
Das Historische Fotoarchiv im Rautenstrauch-Joest-Museum beherbergt rund 100.000 fotografische Objekte aus der Zeit von 1870 bis in die 1960er Jahre aus nahezu allen Regionen der Erde. Die Erfindung der Fotografie im 19. Jh verlief parallel zu den Expansionsbestrebungen der Kolonialmächte, sowie eng daran geknüpft zur Entstehung der Ethnologie. Insbesondere Missionare, Kolonialbeamte und Abenteurer fotografierten auf Ihren Reisen, schnell entstanden Fotostudios in allen Winkeln der Welt an.
 

Unter den ca. 10.000 Aufnahmen sind u. a. die Profifotografen und Studios Henry King (Sydney), Burton Brothers (Neuseeland), Kerry & Co. (Sydney), Pascal Sébah (Istanbul), Zangaki (Ägypten), Scowen (Sri Lanka), John William Lindt (Australien), Lambert & Co. (Singapur), Thomas Andrew (Samoa) und Lehnert & Landrock (Tunis und Kairo) vertreten. Besonders herausragend ist das an die 3.800 Fotografien umfassende Konvolut des „Bureau of Non-Christian Tribes“ von den Philippinen.

Antje van Wichelen arbeitet mit Fotos aus der Kolonialzeit. In ihrer Neubewertung des kolonialen Fotoarchivs ersetzt sie alte Kategorien und überführt das statische Medium Fotografie in filmische Sequenzen. Die Künstlerin überwindet damit den klassifizierenden Blick und ermöglicht eine völlig neue Sicht auf diese Bilder  – als Portraits im Spannungsfeld zwischen Serialität und Individualität. Indem sie die bislang gut verwahrten Bilder jenseits ihrer Funktion als Dokument oder Illustration des ethnographischen Diskurses sichtbar macht und in öffentliche Debatten einbindet, vermag sie das Historische Fotoarchiv am Rautenstrauch-Joest-Museum zum Leben zu erwecken.
- Lucia Halder, Rautenstrauch-Joest-Museum, Wissenschaftliche Referentin Historisches Fotoarchiv

Mehr über das Museum und sein Historisches Fotoarchiv: www.museen-koeln.de

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